TheKnast ©Jutta Goedicke

The Knast

Artikel aus 02|2018


Als wir vor zwei Jahren in diesem Magazin zum ersten Mal über das ehemalige Frauengefängnis in Lichterfelde berichteten, hat uns der Ort bereits fasziniert. Dicke Mauern, vergitterte Fenster und mächtige Riegel an den Eisentüren, die die Außenwelt zuverlässig aussperren – alles real, keine Kulisse! Dass heute bei Umbauarbeiten auf einmal Fluchtwege aus dem Knast eine kostspielige aber unausweichliche Rolle spielen, ist eine Ironie des Schicksals.

Zwischen Denkmalschutz und Neubeginn

Ich sehe staubbedeckte Handwerker, eingerissenen Mauern, Schuttberge und treffe Janina Atmadi, die mir mit leuchtenden Augen von einem Projekt erzählt, dessen Umsetzung gerade das Herzensding von ihr und Dr. Joachim Köhrich ist. Dieser ist für die nächsten 38 Jahre in Erbpacht Besitzer der Immobilie und die Formulierung, dass hier kein Immobilien-Hai, sondern ein „Artenschützer“ am Werk ist, gefällt mir. In enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz zieht das Konzept einen Spannungsbogen zwischen moderner Eventkultur und historischem Erbe, das die Werte dieses Hauses bewahrt und gleichzeitig auch mit neuem Leben füllt. Die Erfahrungen des neuen Hausherrn im Bauunternehmen der Hafemeister Erd- und Tiefbau GmbH, aber auch als Unternehmercoach und als Begründer der Online-Plattform „Placces.de“, die sich der Vermittlung von ausgewählten Eventlocations widmet, verknüpfen sich hier im Dienste neuer Herausforderungen.

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Der Plan in vier Bauabschnitten

In einzelnen Bauabschnitten werden vier Projekte verfolgt: 1. Mit Zugang zur Straße entsteht im Erdgeschoß ein kleines Gourmet-Restaurant, für das der Sterne-Koch David Kikillus bereits verpflichtet wurde. 2. Einbau einer Bar inclusive Veranstaltungstechnik im Kuppelsaal. Hier wurde bereits ein altes Holzparkett verlegt, das die Akustik und Wärme des Raumes aufwertet. Die Veranstaltungen in der „Spätsünder-Reihe“ von Rainer Mohr laufen hier kontinuierlich weiter (siehe auch Bericht Seite ..) 3. Im rechten Trakt werden aus Zusammenlegungen von Zellen zehn Zimmer für ein Boutique-Hotel und 4. geht es um die Gestaltung des Gartengeländes im rückwärtigen Bereich. Der linke Zellentrakt, der unverändert bleibt, wird auch künftig für Filmproduktionen, Lesungen, Ausstellungen oder verschiedene Food-Konzepte vermietet. Dabei wartet die bereits komplett geflieste Küche als Herzstück für alle Bereiche auf weitere Einbauten.

Farbgestaltungen und Stoffe für das Restaurant, die Rezeption und eine Lounge sind schon erfolgt und versprechen eine sinnliche Atmosphäre mit viel Leder, Streifen und floralen Dessins hinter ehemaligen Gefängnismauern. Bei der Demontage des alten Heizungskellers entstand unerwartet ein hoher Raum mit Deckengewölbe und unverputzten Ziegelmauern, der nur darauf zu warten scheint, aus seinem jahrelangen Dämmerschlaf zu einer neuen Bestimmung mit flackerndem Kerzenlicht geführt zu werden.

Das Team

Um solch ein Projekt zu verwirklichen, braucht es neben den praktischen Bauausführungen viele fähige Köpfe: Mit der Entwicklung des Hotels ist der Schweizer Hotelier Marc Aeberhard betraut und das Management sowie die Verbindung zwischen allem bewältigt die Geschäftsführerin Janina Atmadi kompetent und charmant. Die Eröffnung des Restaurants wird nicht mehr lange auf sich warten lassen, das Hotel wird voraussichtlich 2019 die ersten Gäste willkommen heißen. Darüber hinaus finden unabhängig von den Bauarbeiten weiterhin Ausstellungen und Konzerte statt, die unter der Leitung von Janina Atmadi mit dem ehemaligen Team durchgeführt werden. Mit neuem Namen und einem einfach genialen Logo wird künftig die Marke „The Knast“ ein Highlight im Berliner Südwestens sein. www.theknast.de

Text und Bilder Jutta Goedicke