Kiezmagazin Ferdinandmarkt

Bauhausarchitektur

Artikel aus  01|2016


Fabrikgebäude im Bauhausstil –

Wenn sich Gebäude über ihr Dasein äußern könnten, würde man wohl ein deutliches Murren aus dem Teil der Nicolaistraße in Lankwitz hören, der nach dem zweiten Weltkrieg mit der Sprengung der Kirchnerbrücke über den Teltowkanal zu einer Sackgasse wurde. Eingezwängt zwischen zwei Neubauten steht ein bemerkenswertes Fabrikgebäude, das in den zwanziger Jahren mit seinem außergewöhnlichem Design Ausdruck einer neuen Sachlichkeit war. Als Robert Abrahamsohn das Haus 1928/29 für seine elektrotechnischen Messinstrumente vom Architekten Martin Punitzer (1989-1949) bauen ließ, lag es noch verkehrsgünstig auf dem Weg nach Steglitz und in die Innenstadt. Punitzer, der 1929 auch das Lichtspieltheater Roxy-Palast in der Friedenauer Rheinstraße entwarf, spiegelte in seinen Entwürfen eine Strömung wieder, die durch die Ideen des Bauhauses in Dessau, z. B. um Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe, das Kunst- oder Bauhandwerk wiederbeleben und mit den modernen Möglichkeiten der Industrialisierung verbinden sollte. Die Formgebung verzichtete dabei auf jegliche Verzierung und Dekoration, was nach den voraus gegangenen Epochen der Gründerzeit und des Jugendstils revolutionär war.

Das Haus in Lankwitz, mit seinem Stahlbetonskelettbau, den geschwungenen Linien, den gerasterten Fensterfronten und der ungewöhnlichen Verkleidung mit gelben und schwarzen keramischen Platten verfügte über helle, optimal ausgestattete Arbeitsplätze, die auch den Arbeitern bessere Arbeitsbedingungen schaffen sollten.

Ob es ein Zufall war, dass das Bauhaus, das nach seiner Schließung 1932 in Dessau noch für ein Jahr von Mies van der Rohe in Berlin als private Gesellschaft weiter geführt wurde, direkt auf dem gegenüber liegenden Grundstück der Neuen Photographischen Gesellschaft unter kam? Wer weiß?

Text Jutta Goedicke | Fotos Philipp Bernstorf


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