Kraftwerk am Hafen Lichterfelde, ©Jutta Goedicke

Häfen am Teltowkanal

Artikel aus 02 | 2016


Über den Bau des Teltowkanals (1900 – 1906) und den damit verbundenen gravierenden Umwälzungen im Landschaftsbild haben wir in diesem Magazin schon einmal berichtet. In dieser Ausgabe wollen wir uns speziell mit drei Häfen am Teltowkanal beschäftigen: Lichterfelde, Steglitz und Lankwitz.

Durch die Verbreiterung des Kanals um 10 Meter, wurden zwischen Teltow und Britz eine Reihe von öffentlichen Hafenanlagen geschaffen. Nur für Groß-Lichterfelde, Steglitz, Tempelhof und Britz schuf man besondere Becken hinter dem Kanal, in denen die Entladung der Güter stattfinden konnte. Dafür wurden über jede Hafeneinfahrt Leinpfadbrücken gespannt, die den Treidelbetrieb der vorbeifahrenden Schiffsverbände ungehindert fortlaufen ließen. Für die privaten Häfen der damaligen englischen Gasanstalt in Mariendorf sowie für das Schönower Industriegelände am ehemaligen Teltower See (heute Industriegelände am Stichkanal) wurden ebenso Hafenanlagen ausgeschachtet und Leinpfadbrücken installiert. Die Entladung der Schiffe wurde teilweise durch Auskarren oder über Ladekräne vollzogen.

Mit seinen 37 km Länge und nur einer Schleuse im Bereich von Kleinmachnow verkürzte der Teltowkanal die Strecke von der Elbe zur Oder um 16 km und ersparte der Schifffahrt die enge und kurvenreiche Durchfahrt durch die Innenstadtbereiche von Berlin. Als Erbauer des Kanals war dem Kreis Teltow allerdings ursprünglich die Lösung eines anderen Problems viel wichtiger. Große Gebiete der aufstrebenden Gemeinden wie Britz, Tempelhof, Mariendorf, Lankwitz, Steglitz und Groß-Lichterfelde hatten keine wirksame Entwässerung. So entschloss man sich, die Pläne für einen Vorflutgraben mit denen eines Kanals zu verbinden und damit gleichzeitig einen Teil der Anlieferung von Baumaterialien und Versorgungsgütern im Kreis Teltow, durch den Transport über den Kanal zu gewährleisten.

Treidelbetrieb

Um ein Versanden des Kanals durch Abspülung der Uferböschungen zu vermeiden, einigte man sich beim Bau des Teltowkanals darauf, die Schiffe durch elektrische Treidellokomotiven mittels eines Seiles vom Ufer aus zu ziehen. Dazu wurden nach einem festen Fahrplan bis zu vier Maßkähne zu einem Schleppverband gekoppelt und mit einer Geschwindigkeit von 4 km/h durch den Kanal gezogen. Nur im Bereich des Griebnitzsees und des Machnowersees sowie oberhalb des Machnower Schleusenhafens fuhren die Schiffe mit Propellerbetrieb. Eine originale Treidellokomotive, ist an der Emil-Schulz-Brücke zu besichtigen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde als Ersatz für die gesprengte Brücke am Edenkobener Weg die ehemalige Leinpfadbrücke, die die Hafeneinfahrt in den Frachthafen Steglitz überspannte hier als Fußgängerbrücke, dem Edenkobener Steg, installiert.

Hafen Lichterfelde

Im Hafen Lichterfelde wurden vor allem Baumateriali- en wie Zement, Sand, Kalk, Mauer- und Pflastersteine abgeladen. Früher trennte eine schmale Landzunge das Hafenbecken vom Kanal. Mit dem Bau des Heiz- kraftwerkes Lichterfelde 1972 wurde diese vermutlich zugunsten einer ungehinderten Kühlwasserzufuhr ab- getragen. Bis 1998 wurden Teile des Kraftwerkes mit Schweröl befeuert, das über den Hafen angeliefert wurde. Inzwischen erfolgte die Umstellung auf die emissionsärmere Verbrennung von Erdgas und der Hafen wird nur noch zum Abtransport von sortierten Reststoffen einer Recyclingfirma genutzt.

Hafen Steglitz

Der Hafen Steglitz lag beim Bau des Teltowkanals noch auf Steglitzer Gebiet kurz vor der Prinzregent-Ludwig-Brücke, die die Birkbuschstraße über den Kanal führt. Zum Bau eines Hafens genau an dieser Stelle entschloss man sich aus geologischen Gründen, weil dort die Bäke, vom Fichtenberg kommend und in einer engen Kurve nach Westen fließend, einen weichen, morastigen Boden hinterließ, der die Ausschachtungsarbeiten erleichterte. Bevor 1910/11 das Kraftwerk Steglitz an dieser Stelle gebaut wurde, gab es einen großen Holzlagerplatz der Firma Elbe & Ludwig. Hier wurden vor allem Baumaterialien für die Errichtung der Siedlungen und später Kohle für das Kraftwerk angeliefert. Mit der Umstellung der Kraftgewinnung aus Schweröl entstanden hier eine Pumpstation und mehrere große Öltanks, die noch bis in die 70er Jahre das Bild des Hafens Steglitz prägten. Der Zugang zum Hafen führt inzwischen durch ein breites, meist verschlossenes Gittertor, das in der Nähe des BSR Recyclinghofes am Wiesenweg liegt.

Ein Teil des inzwischen ruhigen Geländes wird heute vom MRC Berlin (Motor-Rennbootclub-Berlin e. V.) genutzt, der dort seinen Heimathafen hat. Hinter der Landzunge zwischen dem Kanal und dem ca. 1,80 m tiefen Hafenbecken bietet der MRC neun ganzjährige Liegeplätze und drei Liegeplätze für Gastboote an. Der MRC gründete sich 1973 als Ableger des Deutschen Motoryachtverbandes in Berlin und findet seine Rennsport-Mitglieder auf der ganzen Welt. Ein ausgedientes Rennboot hängt in der Werkstatt des roten Vereinshauses unter der Decke und lässt erahnen, welchen Kräften man in diesen flachen Flitzern ausgesetzt ist, wenn es mit Highspeed über unruhiges Wasser schießt. Auf der Spitze der Landzunge findet sich ein Gedenkstein für Dieter König, der 1991 mit einem Leichtflugzeug in Saarmund verunglückte. Er war Gründungsmitglied des MRC und hat mit seiner Entwicklung von Leichtmotoren sowohl den Motorrennsport als auch den Flugsport bereichert.

Hafen Lankwitz

Dort, wo der Teltowkanal in einer weiten Kurve nach Osten führt, liegt der Hafen Lankwitz. Hier wurde kein Hafenbecken angelegt, sondern nur eine Anlegestelle für Schiffe, die vor allem Baustoffe wie Sand, Zement, Kalk, Mauer- und Pflastersteine sowie Eisen und Kohlen anlieferten. Wahrzeichen des Hafens, war lange Jahre ein Kran, der sich über eine Schienenanlage zu den Schiffen bewegen konnte und dessen Kranführer seinen Posten stolz an seinen Sohn vererbte. Heute dient der Hafen nur noch dem Umschlag von Mineralöl.

Für die Entwicklung der südlichen Bezirke haben die Häfen und Anlegeplätze am Teltowkanal eine ganz wesentliche Rolle gespielt. War das Gebiet vorher noch von Wiesen und Feldern bestimmt, siedelten sich nach dem Kanalbau Industriefirmen und Handwerksbetriebe an, die mit den Anschluss an ein leistungsfähiges Wasserstraßennetz nicht nur effizient beliefert werden sondern auch ihre Waren über diesen Verkehrsweg versenden konnten.

Text Jutta Goedicke

Fotos Philipp Bernstorf | Jutta Goedicke