Den Augenblick im Bild

Artikel aus 01|2017


PETER HAHN | FOTOGRAF

Fotokünstler haben es in unserer Zeit nicht leicht. Die eigenen Schnappschüsse, die in Unmengen auf unseren Computern oder im Smartphone dahindämmern, gaukeln einem vor, dass man doch alle Fotos eigentlich selbst machen könnte, wenn man nur wollte. Das Medium Foto ist so beliebig geworden, dass man sich oft nicht einmal die Zeit nimmt, es mehr als nur eines Blickes zu würdigen. Dabei sind leidenschaftliche Fotografen auch Geschichtenerzähler, Satiriker, Poeten, Fantasten und Bewahrer von Augenblicken, die so nie wiederkommen. Wenn man sich auf einzelne Bilder einlässt, eröffnen sie einem Horizonte. Das Geheimnis eines guten Fotografen liegt sicherlich auch darin, vorbereitet zu sein. Was nützt das Wissen um das perfekte Foto, wenn im entscheidenden Augenblick die Kamera nicht bereit ist.

Einer, der mit offenen Augen und Kamera durch die Welt zieht, ist Peter Hahn, der uns in dieser Ausgabe des Kiezmagazins Ferdinandmarkt in verschiedenen Beiträgen einige Facetten seines Könnens zeigt. Zu seinem Talent, die Umwelt in Bildern zu sehen, kommt die Erfahrung des „alten Hasen“, der um die Kniffe weiß, was ein gutes Bild ausmacht: der „goldene Schnitt“, also die ideale Anordnung der Proportion eines Bildes, die farbliche Temperatur, die uns die Stimmung vermittelt und die innere Haltung des Fotografen zu der Situation, die er gerade einfängt. Wo manch ein anderer einfach knipst, erkennt er architektonische Achsen, farbliche Besonderheiten, den Zauber von Strukturen oder das Spiel des Lichtes.

Bei seinen vielen Reisen aber auch hier in Berlin ist Peter Hahn am Liebsten auf den Straßen unterwegs, wo er den Menschen nahe ist und die besonderen Momente einfangen kann. Immer wieder findet er dabei ungewöhnliche Perspektiven, die das Originelle in seinen Bildern ausmachen. Wo wir unser tägliches Leben und unsere Umwelt normalerweise auf einer Augenhöhe zwischen ca. 150 und 180 betrachten, fotografiert er gerne aus der Hocke, steigt auf Mauern oder schießt seine Fotos aus der Vogelperspektive. Dabei gilt sein Blick immer wieder den unscheinbaren Details, die erst durch die Aufmerksamkeit seiner Kamera eine Bedeutung erlangen: eine Pfütze, in der sich der Himmel spiegelt, eine Zigarettenkippe im Asphalt oder ein abgestelltes, zerstörtes Fahrrad, dass durch goldene Luftschlangen einen letzten Glanz erhält. Dabei fasziniert ihn immer wieder das vermeintlich Morbide und Alltägliche, das durch die Betrachtung innerhalb eines Bildes auf einmal interessanter erscheint als alles Neue und Saubere.

Auf der gut sortierten und umfangreichen Website von Peter Hahn (www.fotoblues.net), die mit eigenen Gedanken zu seinen Arbeiten ergänzt ist, bekommt man eine Sicht auf die enorme Vielfalt seiner Tätigkeit. Die nächsten Ausstellungen im Südwesten Berlins werden Mitte Juni im ehemaligen Frauengefängnis SOEHT7 (siehe Bericht Seite .. ) und im Rahmen des Projektes „Kult im Wandel“ des Kunst.Raum.Steglitz in der Villa Kult (Hindenburgdamm 12 vom 28.4. – 24.6.2017) sowie bei der Veranstaltungsreihe KUNST IM KIEZ Anfang Oktober in Lichterfelde-Ost rund um den Kranoldplatz stattfinden.

Steckbrief: Geboren in Heidelberg, aufgewachsen in Eichtersheim/Kraichgau, Schule in Hannover und Braunschweig, Ausbildung zum Fotografen in Stuttgart und angestellt als Fotograf in Berlin, Studium an der TU Berlin (Abschluss Dipl.-Ing.), wissenschaftlicher Mitarbeiter in einem Berliner Institut für Stadtforschung und über 20 Jahre Leiter einer Abteilung im Landessportbund Berlin Mitglied.

 Text Jutta Goedicke | Titelbild Philipp Bernstorf

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