Kiezmagazin Ferdinandmarkt

Die gute alte Obsttüte

Artikel aus 01|2016


ZEITLOSER KLASSIKER AUS LANKWITZ –

Jeder, der sein Obst und Gemüse an einem Marktstand statt im Supermarkt kauft, kennt die grünen Papiertüten mit dem Aufdruck „ Esst Obst“. Sie sind stabil, nehmen eventuelle Feuchtigkeit gut auf und lassen sich mit ihrer breiten Öffnung gut befüllen. Obsthändler und Kunden lieben diese Tüten gleichermaßen, meine Tochter hat sie sich sogar in einem Bilderrahmen in der Küche aufgehängt.

Dass dieser Slogan vor über 40 Jahren hier in Lankwitz in der Derfflinger Straße von Albert Thesenvitz ausgedacht und seitdem auf Tüten gedruckt wird, wissen nur wenige.

So nostalgisch wie die Tüten wirken auch die großen Druckmaschinen im Keller des Hauses, die aus den riesigen grünen Papierrollen in wenigen Arbeitsschritten eine fertige Tüte produzieren: Aufdruck des Schriftzuges, falten und kleben der Seitenfalte, umdrehen, kleben der Bodenfalte, fertig! Das alles mit einem mächtigen, gleichmäßigen Sound, der für die Mitarbeiter wie eine Musik klingt. Sie sind stolz auf diese alten soliden Maschinen und auch darauf, dass sie sich nicht von jedem bedienen lassen. Es bedarf einer sensiblen Hand und eines komplexen Verständnisses für die vielen Walzen, Zahnräder und Klebstoffträger und bisher hat es noch kein Neuer geschafft, sich in diese Technik zuverlässig einzuarbeiten. Am Ende bündelt eine Mitarbeiterin die Tüten zu 50 Stück und zieht einen Faden durch, damit sie von den Händlern bequem abrissen werden können. Abgepackt zu Einheiten von 1000 Stück, werden sie dann in alle Himmelsrichtungen verschickt oder am eigenen Stand für Verpackungsmaterialien auf dem Großmarkt in der Beusselstraße verkauft. Ein echter Klassiker: zeitlos, nachhaltig und praktisch.

 

Text Jutta Goedicke | Fotos Philipp Bernstorf


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